Was ist wichtiger: Wärmespeicherung oder Wärmedämmung?

Hans-Dieter-Scherer_Gerbig
Wärmedämmung – Mythos und Wahrheit, Teil 4

Von Hans Dieter Scherer-Gerbig

Manchmal sind Kunden der Meinung, die Außenwände ihres Hauses wären doch anständig dick und brauchten deshalb nicht gedämmt werden. Das führt leider in die Irre: Für den Wärmeschutz ist die Wärmeleitfähigkeit, also die Dämmeigenschaft, der Wandbaustoffe entscheidender als die Dicke.

Eine dicke Wand wirkt nur verzögernd auf den Temperaturverlauf im Haus. Sie kann jedoch nicht die Energieverluste eindämmen. Wie schnell die gespeicherte Wärme abgegeben wird, hängt von der Masse, der Größe der Oberfläche und der Wärmedämmung ab. Beispiel: Eine Wärmflasche im Bett hilft auch nur richtig, wenn die Bettdecke als Dämmung darüber liegt. Ohne die Bettdecke wäre die Wärme schnell verloren.

Übrigens: Der menschliche Körper besteht zu großen Teilen aus Wasser und Fett und ist somit ein guter Wärmespeicher. Damit uns lange warm bleibt nutzen wir Fleece- oder Daunenjacken. Wer würde eine Ritterrüstung zum Erhöhen der Speichermasse anzuziehen?

Quellen: photobac, MargheritaGazzola, Ruslan Olinchuk

Quellen: photobac, MargheritaGazzola, Ruslan Olinchuk

Aber zurück zum Haus: Schwere Bauteile verschieben das Aufheizen und Abkühlen der Raumluft um einige Stunden. Besonders im Sommer helfen die Speichermassen, das Aufheizen der Räume zu verzögern. Dies jedoch nur, wenn keine Sonnenstrahlung über große Fenster oder Dachflächenfenster ins Haus kommt.

Ältere Wände bestehen meist aus schweren Wandbaustoffen – etwa das Vollziegelmauerwerk – und leiten Wärme leider sehr gut. Diese Steine besitzen einen schlechten Wärmeschutz. Beurteilt wird dies mit dem Wärmedurchgangskoeffizient um 1,4 W/(m²K), was für Watt pro Quadratmeter und Kelvin steht. Je höher der Wert, desto mehr Energie geht verloren. Mit einer guten Wärmedämmung (16 Zentimeter Polystyrol oder Mineralwolle) reduziert sich der U-Wert auf 0,2 W/(m²K) – der Energieverlust der Wände somit um über 80 Prozent.

Die Wechselwirkungen zwischen Speichern und Dämmen sind komplex. Sie wurden jedoch bereits 1822 vom Physiker und Mathematiker Fourier aufgeklärt und später durch Messungen bestätigt.

Fazit: Wärme speichern liefert im Gegensatz zum Wärmedämmen keinen Beitrag zum Energiesparen. Es wirkt sich aber positiv auf die Raumtemperaturen im Sommer und in der Übergangszeit aus. Nur eine gute Wärmedämmung lässt die Speichereigenschaften von dicken Wänden wirksam werden.



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