Wärmedämmung – Mythos und Wahrheit

Hans-Dieter-Scherer_GerbigWarum das Vorurteil falsch ist, dass gedämmte Wände  die Schimmelbildung fördern

Von Hans Dieter Scherer-Gerbig

Immer wieder ist in verschiedensten Medien das Thema Wärmedämmung häufig massiver, jedoch unbegründeter Kritik ausgesetzt. Insbesondere die Dämmung für Außenwände mit dem Dämmstoff Polystyrol (allgemein bekannt als Styropor) steht dabei im Fokus.

Raumklima_Daemmung

Wärmedämmung – Mythos und Wahrheit

Headlines wie „Stoppt den Dämmwahn“, „Wahnsinn Wärmedämmung“, „Die große Lüge von der Wärmedämmung“, „Brandgefährlich“ oder „Kostenfalle Wärmedämmung“ verunsicherten viele Hausbesitzer, die Energie und Heizkosten sparen und Dämmmaßnahmen an ihren Häusern in Angriff nehmen wollten.

Dabei bietet die umfassende Wärmedämmung eines Hauses viele Vorteile:

  • Einsparung von Energie und Heizkosten
  • Erhaltung der Bausubstanz
  • Wertsteigerung des Hauses
  • Erhöhung der Behaglichkeit im Haus.

Was ist dran an der Kritik? Gibt es Anlass, von der Wärmedämmung Abstand zu nehmen? In einer Serie kleiner Artikel werde ich die häufigsten Vorwürfe und Vorurteile beleuchten und aus meinen Erfahrungen als Energieberater berichten.

Sicher ist Ihnen mindesten eine dieser zehn Behauptungen zu Ohren oder vor die Augen gekommen:

Wärmedämmung…

  1. zieht Schimmel an
  2. lässt die Wände nicht atmen
  3. führt zu mehr Algen
  4. ist nicht so wichtig wie Wärmespeicherung
  5. verhindert solare Gewinne
  6. erhöht die Brandgefahr
  7. ist am Ende Sondermüll
  8. bringt nicht die berechneten Einsparungen
  9. rechnet sich nicht

Ähnliche Vorurteile wie „Die Erde ist eine Scheibe“ und „Die Sonne dreht sich um die Erde“ glaubten viele Menschen vor langer Zeit. Dank der Wissenschaft und unzähliger Praxisbelege sind diese, wie auch die Mythen der Wärmedämmung, hier seit über 40 Jahren und nun an Millionen von Häusern, hinlänglich widerlegt.

Wahrheit 1 ist: Wärmedämmung schützt vor Schimmel

Häufig äußern Kunden die Angst, dass sich mit der Wärmedämmung der Außenwände das Risiko der Schimmelbildung im Haus erhöht. Meist haben sie von Bekannten oder Nachbarn davon gehört, selbst jedoch noch nicht gesehen. Als Ursache wird angeführt, dass die Dämmung den Feuchte- und Luftaustausch so behindere, dass es quasi zum „Stau“ und so zu Schimmelpilz komme.

Schimmelpilze, die man auf der Innenseite von Hauskanten oder im Eckbereich zu Decke oder Boden von Außenwänden manchmal findet, brauchen zum Wachsen eine gewisse Feuchtigkeit. Als Nahrung bedienen sie sich einfach organischem Material wie Tapete und Wandfarbe. Auch im Zusammenhang mit Temperatur und Licht sind sie sehr flexibel. Wenn, dann sind sie zumeist an ungedämmten Häusern zu finden.

Typische Schimmelschäden

Typische Schimmelschäden

Was ist die Ursache für die hohe Feuchte an der Wandoberfläche?

Die Feuchtigkeit in der Luft schlägt sich an kalten Stellen nieder. So zum Beispiel auch, wenn man an heißen Sommertagen eine kalte Flasche aus dem Kühlschrank auf den Tisch stellt.

Warme Luft kann mehr Wasser aufnehmen als kalte. Die warme Raumluft kühlt an der kalten Flasche ab, kann ihre Wassermenge nicht halten und diese schlägt sich als Tauwasser an der Flasche nieder (die Luft kondensiert). Bei den Außenwänden sind ebenso die Temperaturen der Oberflächen entscheidend. Das folgende Schaubild zeigt die Temperaturen bei einer ungedämmten und einer von außen gedämmten Wand.

Raumklima: 20 °C und 50 % rel. Feuchte Bild: energieverbaucher.de

Raumklima: 20 °C und 50 % rel. Feuchte Bild: energieverbaucher.de

Entscheidend ist die Temperatur an der Wandinnenseite

Bei der ungedämmten Wand kühlt die warme Raumluft besonders in der Raumkante dramatisch ab. Die relative Luftfeuchte steigt erheblich an, da die Luft weniger Feuchte speichern kann. Achtung: Für Schimmelwachstum reicht schon eine relative Luftfeuchte von 80 Prozent aus. Die wird bereits bei einer Oberflächentemperatur von 12,6 °C erreicht. Bei 100 Prozent Luftfeuchte würde das Wasser an der Wand herunterlaufen, wie an der kalten Flasche.

Mit einer guten Dämmung der Wände von außen steigt die innere Wandtemperatur fast auf Raumtemperatur. Besonders in der Raumkante ist der Unterschied bemerkenswert. Somit ist die Luftfeuchte in den Bereichen nur noch leicht erhöht und das Schimmelrisiko gebannt. Weiterer Vorteil: Die Behaglichkeit steigt, wenn die umfassenden Flächen wie Wände, Decke und Boden annähernd Raumtemperatur haben.

Fazit: Gedämmte Wände minimieren das Risiko von Schimmelbildung!



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2 Gedanken zu „Wärmedämmung – Mythos und Wahrheit

  1. Ich wieder spreche in einigen Teilen Ihres Berichtes und zwar folgendes:
    Die Hochhäuser in der Robert Bunsen Str. 15 -21 wurden 2001 – 2002 Saniert
    Algenbildung.
    Bei den Gewobau Häuser in der Robert Bunsen Str. 21, außen links (Schlafzimmerfenster) befinden sich große Algenspuren an der Fassade unter drei Fenstern. Wie lange noch sind die Algen auch an dem Haus Nr. 17 zu finden.

    Fassadedämmung.
    Durch die großflächige Fassadendämmung bei der Gewobau in der Robert Bunsen Str. können die Wände nicht mehr Atmen wie es sein soll, d.h. es fehlen Entlüftungskappen in dem Verputz damit die Feuchtigkeit in beide Richtungen zirkulieren kann. Wir haben erhöhte Feuchtigkeit in unserem Schlafzimmer, daß aber auf ein undichtestes Dach zurück zu führen ist. Denn noch wird höhere Feuchtigkeit gemessen.

  2. Vielen Dank für Ihren Kommentar Herr Reinhardt.

    Mein Beitrag handelt von Schimmelpilz-Vermeidung an Innenbauteilen von Häusern. Schimmelpilze sind gesundheitsgefährdend.
    Algen wachsen an gedämmten und ungedämmten Fassaden als auch an ganz frei stehenden, unbeheizten Bauteilen. Sie sind nicht giftig und nur eine optische Beeinträchtigung.
    In einem nächsten Beitrag gehe ich auf das Thema Algen ein.

    Ebenso greife ich den Mythos der „atmenden Wand“ in einem weiteren Beitrag auf. Eine Belüftung der Wärmedämmung würde deren erwartete Wirkung (Reduzieren der Wärme- und Energieverluste) aufheben. Wärmedämmung funktioniert nur, wenn sie nicht hinterlüftet ist.

    Für erhöhte Luftfeuchte in Räumen sollten die Ursachen untersucht und beseitigt werden. Diese können baulicher Art sein aber auch in der Nutzung liegen.

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