Der lange Weg zum Smart Metering

Matthias_Schweitzer100x100Der lange Weg zum Smart Metering oder: Wie ich zu den ersten Zählern mit Datenfernabfrage kam.

Von Matthias Schweizer

Bereits im Februar 2007, als ich gerade meine neue Stelle als Technischer Leiter bei der Stadtwerke Rüsselsheim GmbH angetreten hatte, gab es schon eine Arbeitsgruppe mehrerer Stadtwerke hier in der Region, die sich mit Smart Meter beschäftigten, an der ich ab diesem Zeitpunkt teilnahm. Aus heutiger Sicht waren wir in Deutschland damals noch weit entfernt von deren Einführung. Diese Einschätzung hatten wir aber zur damaligen Zeit noch nicht – die gesamte Branche glaubte, es ginge viel schneller.

Es gab erste elektronische Stromzähler, die äußerlich auch den heutigen sehr ähnlich sind. Anstatt von einem Gateway sprach man noch von einem MUC (MultiyUtilityController). Aber auch dessen Äußeres unterschied sich nur unwesentlich vom heutigen Gateway. Zur Erläuterung: Ein MUC beziehungsweise Gateway ist im Prinzip ein kleiner Computer, der die Kommunikation zu den Zählern und ins Internet verschlüsselt sicherstellt.

In einigen anderen Ländern in Europa war man schon weiter, dort wurden Smart Meter schon regulär eingesetzt. Basis für alle war das 3. EU-Binnenmarktpaket vom 12. Juni 2009. Auch einige Stromanbieter versuchten, mit einem Smart Meter erste Angebote im Markt zu platzieren, in der Hoffnung, die Mehrkosten würden vom Kunden getragen.
Auch wir fanden bei einem meiner Mitarbeiter, der sein Haus dafür zu Verfügung stellte, in 2008 ein erstes Testobjekt. Es wurden elektronische Zähler für alle drei Sparten (Gas, Wasser und Strom) eingebaut, und über den MUC erfolgte die Kommunikation über das Internet.

Bilder der Testinstallation 2008

Bilder der Testinstallation 2008

Eine Datenverschlüsselung, wie heute zwingend vorgeschrieben, gab es noch nicht. An Hand der drei Verbrauchsprofile sahen wir deshalb sehr schnell das Nutzerverhalten, so dass man darauf schließen konnte, ob jemand zu Hause ist, ob alles schläft oder gerade geduscht oder gebadet wird. Dies ist auf Grund der neuen Sicherheitsstandards heute nicht mehr möglich.

Weiterhin wollten wir damals in einem nächsten Schritt im Rahmen eines Pilotgebietes – das Wohngebiet Blauer See II wurde gerade geplant – flächendeckend Smart Meter einsetzen und hatten dazu eine Ausschreibung platziert, um potenzielle Systemanbieter zu finden. Leider waren die Kosten weit höher als erwartet, so dass wir dies nicht umgesetzt haben. Die folgenden Jahre gaben uns letztlich Recht, hier damals nichts investiert zu haben.

Im Zeitraum 2010 bis 2011 wurde dann in meinem eignen Wohnhaus ein Testzähler für Strom mit einem internen Home-Display, das im Wohnzimmer stand, installiert, das die Verbräuche über eine längere Zeit graphisch darstellen konnte. Leider gab es immer wieder Kommunikationsprobleme zwischen Display und Zähler, so dass dieser Test beendet wurde.

Seit Mitte 2015 wurde ein neuer Test im eignen Wohnhaus gestartet, diesmal für Strom, Gas und Wasser, was nach anfänglichen Problemen seit Dezember 2015 problemlos läuft. Hierbei wurde einer der Prototypen der 2. Generation des Gateways als Kommunikation- und Datenschnittstelle zwischen den Zählern und dem Internet verwendet. Die Verbindung zwischen diesen basiert auf eine Funklösung (M-Bus), so dass keine Verkabelungsarbeiten notwendig sind, was bei einem älteren Gebäude sehr von Vorteil ist. Die Daten werden sicher verschlüsselt und können über eine Weblösung überall mit dem entsprechendem Passwort abgerufen und ausgewertet werden. Für Strom und Gas werden die Zählerstände alle 15 Minuten und für Wasser alle 60 Minuten übertragen.

Nachfolgend Bilder der der drei Zähler und des Gateways und einige Bilder der möglichen Auswertungen in den Web-Graphiken:

Bilder der aktuellen Testinstallation:

Links der Stromzähler und rechts das Gateway (Verkabelung verschwindet im Endzustand hinter der Verkleidung)

Links der Stromzähler und rechts das Gateway (Verkabelung verschwindet im Endzustand hinter der Verkleidung)

Elektronischer Wasserzähler mit integriertem M-Bus-Funk

Elektronischer Wasserzähler mit integriertem M-Bus-Funk

Gaszähler mit M-Bus-Funkmodul

Gaszähler mit M-Bus-Funkmodul

Bilder der Graphiken:

Strom (als Beispiel die letzten 32 Stunden):

Strom (als Beispiel die letzten 32 Stunden):

Gas: (als Beispiel der letzte Monat):

Gas: (als Beispiel der letzte Monat):

Wasser (als Beispiel Stundenwerte):

Wasser (als Beispiel Stundenwerte):

Alle drei Sparten:

Alle drei Sparten:

Mit diesen unterschiedlich Graphiken und Auswertemöglichkeiten bin ich nun in der Lage, meinen Energie- und Wasserverbrauch zeitlich sehr gut zu analysieren und Rückschlüsse für Einsparmöglichkeiten zu ziehen. So fiel zum Beispiel auf, dass an machen Tagen in der Nacht ein kleiner Wasserverbrauch gezeigt wird, obwohl das eigentlich nicht sein dürfte, hier bin ich noch am Forschen nach der Ursache.

Wird fortgesetzt. Beim nächsten Mal gehe ich näher auf die verwendete Zählertechnik, das Gateway ein und Berichte über die Gesetze


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