Können Sonnenstrahlen die Dämmung ersetzen?

Hans-Dieter-Scherer_Gerbig
Wärmedämmung – Mythos und Wahrheit, Teil 5

Von Hans Dieter Scherer-Gerbig

Sonnenstrahlen sorgen auch im Winter für Wärme – doch ist die Energiemenge so groß, dass sie eine Dämmung von Hauswänden zumindest teilweise überflüssig werden lässt? Dieser Frage geht der folgende Beitrag nach. Ein Altstadtturm dient dabei als Beispiel.

Manchmal sind Hauseigentümer der Meinung, dass Wände keine Sonnenwärme aufnehmen und speichern können, wenn sie gedämmt sind. Mit anderen Worten: Die Dämmung von Wänden wäre der Aufnahme von Sonnenenergie hinderlich. Und dann gibt es noch ein Vorurteil: Der positive Effekt der Sonnenergie werde bei der Berechnung von Energieverlusten und -gewinnen von Gebäuden nicht berücksichtigt.

Wieviel Energie liefert die Sonne?

Es ist richtig, dass ungedämmte Wände auch während der Heizperiode etwas
Energie durch die Sonnenstrahlung aufnehmen und eine Wärmedämmung diese Aufnahme reduziert. Der damit verbundene Energiegewinn bei Wänden auf der sonnigen Südseite beträgt jedoch nur 4 bis 5 Prozent des benötigen Bedarfs. In unseren Breitgraden ist das Strahlungsangebot der Sonne während der Heizperiode eben leider recht niedrig.

Dämmung hingegen kann die Energieverluste aller Außenwände um 75 Prozent und mehr reduzieren. Die Energieflüsse lassen sich messtechnisch relativ einfach erfassen, so dass diese Zusammenhänge schon lange geklärt sind. Seit Einführung der Energieeinsparverordnung (EnEV) im Jahr 2002 und den zugehörigen Normen wird dieser Effekt bei den energetischen Berechnungen von Gebäuden betrachtet. Wären solare Gewinne durch massive, ungedämmte Bauteile im Winter wirklich nennenswert, so wäre es in alten Gemäuern im Winter nicht so ungemütlich. Auch das wurde bereits messtechnisch erfasst.

Zu sehen ist die Wirkung von Sonnenstrahlen auf den beiden folgenden Fotos:

Quelle: energiesparaktion.de

Quelle: energiesparaktion.de

Wärmebildaufnahme eines Altstadtturms an einem Februartag um 17 Uhr. Die Sonne schien den ganzen Tag.

Quelle: energiesparaktion.de

Quelle: energiesparaktion.de

Wärmebildaufnahme desselben Turms um 22 Uhr

Wie viel Energie wird gespeichert?

An einem kalten sonnigen Tag im Februar wurden zu verschiedenen Uhrzeiten Thermografie-Aufnahmen eines Altstadtturms gemacht. Die unterschiedlichen
Oberflächentemperaturen sind an der Farbverteilung zu erkennen. Auf dem ersten Bild brachte die Sonne die Temperatur auf der Oberfläche der Südwand auf 15 Grad bei einer Außenlufttemperatur von 1,5 Grad. Fünf Stunden später wurde die zweite Aufnahme gemacht. Die aufgenommene Sonnenwärme wurde fast vollständig an die Umgebung abgegeben. Im Turm lag die Temperatur die ganze Zeit bei nur 2 Grad. Trotz Sonneneinstrahlung auf dicke „wärmespeichernde“ Mauern, war es also lausig kalt.

Wie lautet das Fazit?

Die eingesparten Energiemengen durch die Wärmedämmung sind erheblich größer als die solaren Gewinne über die Außenwände. Bei der Berechnung von Energieeinsparungen an Gebäuden werden diese mit berücksichtigt.


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