Wärmedämmung – Häuser können nicht atmen

Hans-Dieter-Scherer_Gerbig
Wärmedämmung – Mythos und Wahrheit, Teil 2
Warum Wände nicht „atmen“ und Häuser luftdicht sein müssen

Von Hans Dieter Scherer-Gerbig

Häufig äußern Kunden die Angst, dass eine gedämmte Wand nicht mehr atmen kann und man das Haus quasi in eine Plastiktüte steckt, wenn man die Wände mit Polystyrol

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Quelle: Energiesparaktion.de

(bekannt als Styropor) oder anderem Material dämmt. Die angebliche Folge: Weder Luft noch Feuchtigkeit könne nach draußen und damit verschlechtere sich das Raumklima.

Die These der atmenden Wand stammt vom im 19. Jahrhundert lebenden Chemiker Max von Pettenkofer. Ihm gelang es, durch ein entsprechend präpariertes Ziegelwandstück, eine Kerze auszublasen.

Daher kam er zu dem Schluss, dass massive Wände luftdurchlässig seien. Das Wandstück war jedoch unverputzt, sodass die Luft durch die Ritzen pfiff. Widerlegt wurde Pettenkofer allerdings erst 1928 von dem Physiker Dr. Ing. Erwin Raisch.

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Quelle: Künzel.H, 1978

Geht denn Feuchtigkeit durch die Wand?

Ja, aber seeehr laaangsam.

Durch die Eigenbewegung der Wasserdampfmoleküle wandern diese durch die Poren einer Wand. Diesen Vorgang nennt man Feuchtediffusion. Allerdings sind diese Mengen sehr gering im Vergleich zu der gesamten Luftfeuchte, die während einer Heizperiode innerhalb eines Hauses frei wird und nach draußen befördert werden muss.

Von den 1.000 bis 2.000 Litern Luftfeuchte, die während der Heizperiode nach draußen gehen, diffundieren nur etwa zwei Prozent durch die Gebäudehülle. Für das Raumklima spielt dies daher keine Rolle! Im Übrigen ist der Dämmstoff Polystyrol genauso durchlässig für Wasserdampf wie weiches Holz – hartes Holz ist dichter. Fast die gesamte Feuchte in Räumen (98 Prozent) muss also mittels Fensteröffnen oder Lüftungsanlagen weggelüftet werden.

Fazit: Wände, gedämmte wie ungedämmte, atmen nicht.

Gebäude müssen luftdicht sein

Wie sieht es aber an Stellen aus, an denen Bauteile aneinander stoßen und wo manchmal Fugen zu finden sind? Braucht es diese Ritzen für einen gewissen Grundluftwechsel?

Die Luft strömt tatsächlich problemlos durch diese Ritzen hindurch und nimmt dabei viel Energie und Feuchtigkeit mit nach draußen. Beispiel: Durch eine Fuge, 3 Millimeter breit und 1 Meter lang, geht die 100- bis 200-fache Menge an Feuchtigkeit hindurch wie bei der Diffusion durch einen Quadratmeter Wandfläche. Das bedeutet nicht nur Energieverlust und Zugerscheinungen, sondern ist auch mit anderen Risiken verbunden, wie auf dem folgenden Foto zu sehen ist:

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Quelle: Verbraucherzentrale RLP

Das Foto zeigt den Rahmen eines geöffneten Fensters. Der Schimmelstreifen in der Mitte ist deutlich zu sehen. Ursache war die, in diesem Bereich kaum noch vorhandene, Gummidichtung des Fensterflügels. Das Fenster schließt nicht dicht, so dass im Winter warme und relativ feuchte Luft nach außen strömen kann. An dieser Stelle kühlt sie wegen des Temperaturunterschieds zwischen innen und außen ab und kann nicht mehr so viel Wasserdampf speichern wie zuvor. Die hohe Luftfeuchtigkeit am Rahmen schafft damit bestmögliche Voraussetzungen für den Schimmel. Der „Vorzug“ hier: Der Schimmel ist direkt sichtbar, kann entfernt und die Dichtung erneuert werden.

Passiert das Gleiche jedoch in anderen Ritzen in der Gebäudehülle, sieht man den Schimmel unter Umständen gar nicht, so dass ein nicht erkennbarer Bauschaden
entsteht. Dieser kann das Raumklima richtig negativ beeinflussen. Durch die Fugen kann die Luft auch umgekehrt von außen nach innen strömen und die Schimmelsporen mit in die Wohnungsluft bringen.

Fazit: Gebäude müssen dicht sein, damit keine Schimmelschäden entstehen und die unkontrollierten Lüftungswärme-Verluste vermieden werden.
Wir Menschen haben für die Umgebungs-Temperatur meist gute Sensoren, leider nicht so für die Luftfeuchte. Hier helfen sogenannte Thermo-/Hygrometer. Damit lässt sich leicht feststellen, wann die Luft zu feucht ist und weggelüftet werden muss. Schöner Nebeneffekt: Die schlechte Luft – zu viel Kohlendioxid – fliegt raus und frische kommt rein.



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